Viele ornithologisch Interessierte kennen die Möglichkeit, mit dem Handy Vogelstimmen erkennen zu lassen. Apps wie Merlin oder Birdnet werden häufig eingesetzt, die Funktion ist aber auch in Apps wie der BirdLife CH integriert.
Diese Apps basieren auf KI Modellen, die mit Millionen von Aufnahmen trainiert wurden und im Fall von BirdNet öffentlich zugänglich sind. Interessanterweise werden Vogelstimmen mittels KI jedoch nicht akustisch, sondern grafisch ausgewertet anhand der sogenannten Spektrogramme.

Das BirdNet KI-Modell kann zur Zeit ca. 6’500 von den bekannten ca. 11’000 Vogelarten erkennen.
Mittlerweile kann man solche Erkennungen nicht nur mit dem Handy durchführen, sondern auch mit kommerziellen Geräten wie dem BirdWeather PUC oder verschiedenen Geräten von Wildlife Acoustics.
Es gibt aber auch eine aktive Szene, die Open Software für Windows, Apple und Linux Systeme anbietet. Spannend finde ich die Möglichkeit, BirdNet Software auf Kleinstrechnern wie dem Raspberry Pi auszuführen, der kleiner ist als eine Zigarettenschachtel und bei einem Dauerbetrieb ca. CHF 10.- Stromkosten pro Jahr verursacht.

Ich experimentiere zur Zeit mit 3 Systemen um rauszufinden, wie einfach sie sich einsetzen lassen und wie genau sie Vogelstimmen erkennen können.
1. BirdWeather PUC
Der BirdWeather PUC ist ein Gerät, das sich ohne grosse IT-Kenntnisse einfach einsetzen lässt. Man kann ihn draussen aufhängen, als Zubehör gibt es ein Häuschen, das ihn etwas vor den Witterungseinflüssen schützen sollte.

Zum Betrieb des BirdWeather PUC braucht es lediglich ein Handy für die BirdWeather App, die man zum Einrichten braucht und mit der man dann jederzeit schauen kann, was draussen so läuft. Weiter braucht es 5V Strom und ein WLAN, mit dem der BirdWeather PUC verbunden wird.
Die Handy App ist sehr intuitiv zu bedienen und gibt einen guten Überblick, was draussen so alles läuft. Ich nutze den PUC vorallem als mobiles Gerät, das ich mal draussen bei den Eulen stationiere zum Hören, wann die Jungen aus der Bruthöhle kommen oder auch, wenn ich wie gestern unterwegs einige Zeit an einem Ort stationär bin, wo es einiges zu hören gibt. Die Aufzeichnungen von gestern sehen auf dem Handy dann etwa so aus:




Selbstverständlich muss man die Resultate durchgehen und false positives löschen, die gibt es, wie bei der Merlin App, natürlich immer wieder.
Wenn man den BirdWeather PUC draussen in der Natur ohne Internetverbindung einsetzt, kann man die Erkennungen aufzeichnen und sie zu Hause dann erkennen lassen. Das dauert etwas, weil bei BirdNet live Erkennungen Priorität haben. Wer sich damit auskennt, kann aber auch eine Internet-Verbindung über das Handy oder einen mobilen Router nutzen.
Insgesamt ist der BirdWeather PUC ein Rundum-Sorglos-Paket, das sich einfach einsetzen lässt und gute Ergebnisse liefert. Die Resultate kann man nicht nur über’s Handy anschauen, sondern auch über eine Webseite. Die Aufzeichnungen von meinem PUC könnt ihr hier ansehen, am Besten mit dem PC-Browser:
Auf dem Handy-Browser geht das auch, man muss jedoch zuerst auf das Layersymbol klicken und anschliessend augf das Download-Symbol neben BirdWeather, 1 station visible.

2. BirdNet-Pi
Die Birdnet-Pi App läuft bei mir auf einem Raspberry Pi. Die Einrichtung ist für Leute, die sich mit dem Linux Betriebssystem auskennen, relativ einfach. Wichtig ist, ein gutes Mikrofon anzuschliessen und in der Community gibt es gute Tipps zu bewährten Komponenten.
Die BirdNet-Pi App ist einfach zu bedienen und sieht auch so aus. Die Erkennung steht im Vordergrund, nicht die optische Darstellung.
Standardmässig ist BirdNet-Pi App so eingestellt, dass sie die verschiedenen Spektrogramme mit den 6’500 bekannten Arten vergleicht und die lokale Filterung nicht sehr stark anwendet. Das führt natürlich zu mehr Fehlbestimmungen, dafür erkennt die App dann auch, wenn mal ein Zistensänger oder eine Balkan-Bartgrasmücke im Garten eine Pause einlegen sollte.
Bei meinem BirdNet-Pi Gerät sieht das etwa so aus:

BirdNet-Pi bietet viele zusätzliche Möglichkeiten, z.B. die besten Aufnahmen pro Art zu zeigen und abzuspielen, aber auch statistische Auswertungen aller Art:

Mit BirdNet-Pi kann man auch Live Audio hören, also über’s Handy oder den PC von überall aus reinzuhören. Das habe ich beim BirdWeather PUC vermisst, wäre schön, nachts von zu Hause aus den Eulen oder Käuzen zuzuhören 🙂
Die Aufzeichnungen von meinem Test-BirdNet-Pi Gerät könnt ihr hier ansehen:
3. BirdNet-Go
Die Birdnet-Go App läuft bei mir ebenfalls auf einem Raspberry Pi. Hier gilt also dasselbe wie für die BirdNet-Pi App.
Im Gegensatz zur BirdNet-Pi App ist die Benutzeroberfläche etwas besser aufgehübscht und gefälliger. Da aber dieselbe KI dahintersteht, sind die Unterschiede marginal.
Die BirdNet-Go App vergleicht die aufgenommenen Spektrogramme mit solchen, die lokal vorkommen können. Dazu werden Daten von Meldungen auf eBird zugrunde gelegt. In unserer Umgebung gibt es bei eBird Meldungen von ca. 190 Arten und die werden von BirdNet-Go auch ziemlich zuverlässig erkannt. Man kann dann manuell weitere Arten, auf die die App hören soll, eingeben, man kann Arten ausschliessen oder nur reduziert erfassen lassen. Es gibt vielfältige Konfigurationsmöglichkeiten.
Die BirdNet-Go Oberfläche zeigt die erkannten Arten so an:

Auch mit BirdNet-Go kann man Statistiken auswerten, was in etwa so aussieht:



Wie ihr gut sehen könnt, sind die Feldsperlinge zur Zeit die Favoriten bei mir im Garten. Die Jungen betteln den ganzen Tag und das schlägt sich in den Erkennungen nieder. Ich könnte das Filtern und beispielsweise pro Stunde nur eine Erkennung pro Art in die Datenbank aufnehmen, aber ich finde, dass auch diese Zahlen sehr aussagekräftig sind. Das Betteln der Feldsperlinge hat am 04.08.2025 07:37 aufgehört, das dürfte der Zeitpunkt gewesen sein, an dem die Jungen ausgeflogen sind.
Die Aufzeichnungen von meinem Test-BirdNet-Go Gerät könnt ihr hier ansehen:
Ich habe bisher bei keinem der 3 Systeme gross gelöscht, ihr seht also auch die false positives, so könnt ihr euch ein Bild machen, wie zuverlässig die Apps arbeiten. Kleiner Hinweis: Bei uns gibt es keine Jagdfasane im Garten, ab und zu gackern die Hühner in der Nachbarschaft, die von keinem der 3 Systeme erkannt werden.
Auch wichtig: Alle 3 Systeme filtern menschliche Stimmen aus. Wenn also im Garten gesprochen wird, werden diese Aufnahmen verworfen.
Nach den Tests werde ich vermutlich die BirdNet-Go App 24h / 365d nonstop laufen lassen, auch wenn ich damit wohl nicht alle nachts ziehenden Vögel erkennen kann. Aber das Interface gefällt mir sehr gut und die Erkennung der bekannten Arten ist top.
Falls ihr Fragen habt, lasst es mich wissen …
Liebe Grüsse, HaPeKa
hpk@bluewin.ch
04. August 2025
